Integriert oder ökologisch?

Ergebnisse aus dem Isafruit-Projekt

Vergleich der Kulturführung und ökonomische Bewertung von vier ökologischen und vier integriert bewirtschafteten `Elstar´-Anlagen im Alten Land über den Zeitraum von drei Jahren. Das Isafruit-Projekt verfolgt das Ziel, den Obstkonsum innerhalb der EU zu erhöhen. Um dies zu erreichen, soll die Qualität des produzierten Obstes verbessert werden. Die durchzuführenden Aufgaben stehen unter dem Slogan „Gesundes Obst für ein gesundes Europa“. In das  Projekt sind 62 Institutionen aus 16 Ländern involviert.

Das OVB Jork ist an zwei Säulen des Projektes beteiligt. Dabei wird die Kulturführung verschiedener Obstbaubetriebe miteinander verglichen. Es sollen besonders Daten über den ökologischen Anbau gesammelt werden. Für den beteiligten Produzenten bietet sich hierbei die Möglichkeit, verstärkt Daten über die Behangsstärke und -regulierung sowie über die Produktionskosten im eigenen Betrieb zu gewinnen. Im folgenden Bericht wird näher auf die Vorgehensweise bei der Durchführung des Projektes am OVB Jork eingegangen. Es werden die Ergebnisse der drei Jahre 2006-2008 dargestellt.

Material und Methoden

Zu Beginn des Projektes wurden acht homogene, nicht alternierende `Elstar´-Anlagen von vier ökologisch und vier integriert produzierenden Betrieben ausgewählt. Diese Anlagen wurden methodisch als betriebsbegleitende Untersuchungen über die ganze Vegetationsperiode hinweg betrachtet. Hierzu wurden in den Anlagen Blühstärke, Behangsstärke und Fruchtgrößenentwicklung anhand von jeweils 20 Bäumen erfasst. Des Weiteren wurde der Ernährungszustand mittels Blatt- und Bodenproben mit den Daten der Düngung verglichen.

Außerdem wurden die wichtigsten Kulturmaßnahmen, wie Pflanzenschutz, Ausdünnung, Beregnung und Bewässerung der Anlagen miteinander verglichen. Jede Anlage (20 Bäume) wurde hinsichtlich Menge, Ausfärbung, Fruchtgröße und Qualität der geernteten Früchte analysiert. Die Lagerung und Aufbereitung der Früchte blieb hierbei unberücksichtigt um ausschließlich die Kulturführung der Betriebe zu betrachten. In der Endauswertung bei der Kalkulation des Gewinnes sind nach der Ernte Kosten für Sortierung und Lagerung mit einbezogen worden.

Ergebnisse

In Abb. 1 sind die Kosten der Kulturführung für den  Durchschnitt der Jahre 2006-2008 dargestellt. Die gesamten Arbeitskosten liegen bei den integrierten Betrieben zwar höher, dies wird aber nur durch die höheren Erntekosten verursacht.

Die Erträge der ökologischen Anlagen lagen, wie der Abb. 2 zu entnehmen ist, in allen drei Jahren unter denen der integrierten. Im Durchschnitt der drei Jahre hatten die Anlagen der ökologischen Betriebe 30 % weniger Ertrag. Daraus resultieren die höheren Erntekosten der integrierten Anlagen bezogen auf den Hektar. Klammert man die Erntekosten aus, so zeigt sich auch über die drei Jahre, dass die ökologischen Betriebe im Durchschnitt höhere Kosten der Kulturführung aufweisen. Bezogen auf die dt geernteter Äpfel haben die vier ökologischen Betriebe im Schnitt 60 % höhere Kosten. Dieser deutliche Unterschied ist durch die Ertragsunterschiede begründet.

In Tab. 1 wurde der Gewinn je ha unter Einbeziehung verschieden hoher Lagerungsverluste über den Zeitraum von drei Jahren kalkuliert. Bei den integrierten Parzellen ist ein Lagerungsverlust von 2 % angenommen worden. Da es in ökologischen Anlagen nicht möglich ist, Fungizide gegen Lagerfäulen vorbeugend einzusetzen, fallen die Lagerungsverluste teilweise höher aus. In dieser Kalkulation sind drei verschiedene Szenarien mit Verlusten von 5-15 % eingesetzt worden. Bei einem Großteil der ökologischen Betriebe wird das Heißwasserverfahren zur Minimierung der Lagerfäulen eingesetzt, dies ist mit 5 € je dt einbezogen worden.

Die Erzeugerpreise für die integrierten Betriebe sind mit Hilfe der Preisangaben der ZMP ermittelt worden. Hierbei sind verschiedene Auszahlungspreise für Größenklassen und Ausfärbung sowie der jeweilige Mostanteil über die drei Jahre berücksichtigt. Bei den ökologischen Betrieben ist ebenfalls ein Durchschnittspreis ermittelt worden. Dieser setzte sich aus dem Mostanteil und einem Einheitspreis für die verschiedenen Größenklassen zusammen, bzw. in 2008 erstmalig mit einem niedrigeren Preis für die Größenklassen 60-70 mm.

In der Kalkulation sind bei der integrierten und der ökologischen Variante zwei Verkaufszeitpunkte angesetzt worden. Ein Drittel der Ernte ist direkt nach der Ernte verkauft worden, zwei Drittel mit einem Preisaufschlag von 7 € je dt nach der Lagerung. Aufgrund des doppelt so hohen Auszahlungspreises für Äpfel der ökologischen Betriebe, erzielt selbst die schlechteste Variante der ökologischen Betriebe bei einem angenommenen Lagerungsverlust von 15 % einen höheren Erlös. Die integrierten erzielten einen Erlös von 17 596 € je ha und die ökologischen bei 15 % Lagerungsverlust 20 593 € je ha.

Im zweiten Teil der Tabelle 1 werden den erzielten Erlösen die Kosten gegenübergestellt, um dann bis zum Gewinn zu kalkulieren. Hinter den Direktkosten verbergen sich die Kosten für Dünger und Pflanzenschutzmittel. Im nächsten Schritt werden vom Erlös die variablen Spezialkosten abgezogen. Dazu gehören Kosten für die Saisonarbeitskräfte sowie die variablen Maschinenkosten (Reparaturkosten, Treibstoffkosten und Schmierkosten). Die Kosten sind bei den Integrierten um 50 € je ha höher, weil unter diesem Punkt auch die Erntekosten mit einkalkuliert werden und die Erntemengen im ökologischen Anbau im Durchschnitt 30 % geringer ausfallen.

In einem weiteren Rechenschritt werden die Einzelkosten berücksichtigt. Unter Einzelkosten versteht man Kosten für Festangestellte, fixe Maschinenkosten (Abschreibung des Anschaffungswerts pro Jahr, Versicherungen, Zinsen), die Pflanzkosten sowie die Beregnungskosten. Da von den vier ökologischen Anlagen nur eine beregnet wurde, fallen die Kosten der ökologischen Anlagen niedriger aus.

Nun müssen noch die Kosten der Sortierung für die gesamte Erntemenge und die Kosten der Lagerung für zwei Drittel der Erntemenge berücksichtigt werden. Hier sind die Kosten je Hektar für die vier ökologischen Anlagen aufgrund der geringeren Erntemengen wiederum geringer. Bei den ökologischen Anlagen werden noch zusätzlich die Kosten für die Heißwassertechnik berücksichtigt.

Im letzten Schritt werden bei allen Varianten die Gemeinkosten in Höhe von 1 500 € je ha abgezogen. Unter Gemeinkosten versteht man Kosten, die nicht unmittelbar der Kultur zugeschrieben werden können. Betrachtet man nun den betriebswirtschaftlichen Gewinn in € je ha, so kann man feststellen, dass selbst in der ungünstigsten ökologischen Variante mit 15 % Lagerungsverlusten, in der sicherlich die Heißwasserkosten rausgerechnet werden müssten, ein fast doppelt so hoher Gewinn erzielt wurde. 5 679 € je ha im Vergleich zu 10 560 € je ha.

Der höhere Gewinn der ökologischen Anlagen ist durch zwei Punkte begründet:

1. durch den doppelt so hohen Auszahlungspreis und

2. durch die geringeren Kosten aufgrund der deutlich geringeren   Erntemengen bei den ökologischen Betrieben

Karin Fricke, Obstbauversuchsring Jork,

Dr. Matthias Görgens, Obstbauversuchsanstalt Jork

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