Erfolgreich mit "Urpfälzer" Produktion
Gemüse Renner weiterhin auf der Überholspur

Es ist wenig verwunderlich, dass in Schifferstadt der Beginn der Rettichernte mit einem mehrtägigen Fest gefeiert wird. Schließlich befindet sich im Herzen der Vorderpfalz mit rund 450 ha auch die wahrscheinlich größte Anbaufläche Deutschlands für das so genannte Weiße Gold. Eine noch größere Bedeutung hat allerdings der Anbau von Radieschen für die Pfalz. Auf knapp 2700 ha Pfälzer Ackerland werden mehr als 85 % aller deutschen Radieschen produziert. Es sind aber nicht nur die in der Rheinebene in Fülle vorhandenen Löss-Lehmböden, die wie im Fall der Radieschen die herausragende Marktstellung der Vorderpfälzer Gemüsebauern sichern.
Lange überlegen muss Andreas Renner nicht, um eine Antwort auf die Frage nach den Gründen für diese Sonderstellung zu finden. Er verleugnet dabei auch nicht, dass die natürlichen Gegebenheiten, die es den Pfälzern erlauben, sowohl die ersten als auch die letzten einheimischen Produzenten auf dem deutschen Markt sein zu können, hilfreich seien, sich das ganze Jahr hindurch auf dem Markt zu behaupten. Entscheidend sei Renner zufolge aber vielmehr das geballte Anbau-Know-how der Vorderpfalz in Kombination mit der dort vorherrschenden Mentalität. Und diese Faktoren machen dann eben oft den Unterschied aus: „Bei uns können Sie notfalls auch am Sonntag anrufen, wenn Sie dringend Ware benötigen. Woanders erreichen Sie vielleicht schon Samstagmittag niemanden mehr.“
Lieferzuverlässigkeit ist Trumpf im Kampf um die Gunst der Einkäufer, so Renner. Dies bewahrheitete sich besonders im Jahrhundertsommer 2003, als die Pfalz als eine der wenigen Anbauregionen Deutschlands weder quantitative noch qualitative Abstriche bei der Gemüseernte machen musste. Das Vorderpfälzer Beregnungswassersystem machte es möglich. Aber auch wenn es einmal zuviel regne, müsse man nicht Tage warten, bis man die Felder bestellen kann, so Renner: „Wir hatten auch schon über 15 mm Niederschlag in der Nacht und konnten am nächsten Tag trotzdem drillen.“
Auch der diesjährige lange und kalte Winter konnte den Bundzwiebeln wenig anhaben. „Ende Februar waren die Bundzwiebeln auf zehn Zentimeter runtergefroren. Mit der ersten Märzwoche kamen dann jedoch warme Temperaturen und am 12. März konnten bereits Bundzwiebeln in sehr guter Qualität geerntet werden, die auf 38 cm eingekürzt als kurze Ware auf den Markt kamen.“ Da zu diesem Zeitpunkt kaum mehr italienische Ware auf dem Markt war und andere Regionen größere Schwierigkeiten hatten, den relativ späten Frühjahrsbeginn aufzuholen, entsprach die Preisgestaltung auch in den darauffolgenden Wochen hinweg Renners Erwartungen. Erst Anfang Mai geriet der Preis unter Druck. Renner führt dies nur teilweise darauf zurück, dass im Mai die Ernteleistung witterungsbedingt sowieso immer größer als in den Wochen zuvor ist: „Es wurden nicht unbedingt mehr Zwiebeln angebaut, die Anreisequote der Saisonarbeitskräfte war auf vielen Betrieben im Vergleich zum Vorjahr jedoch sehr hoch.“
Anders als viele Berufskollegen hatte Renner allerdings auch im Jahr zuvor kaum Schwierigkeiten, genügend Arbeitskräfte zu finden. Zum einen sei das Containerdorf, in dem die Saisonarbeitskräfte auf dem Betriebsgelände in unmittelbarer Nachbarschaft zum Pfalzmarkt untergebracht sind, vergleichsweise komfortabel ausgestattet. Zum anderen würde auch die ausschließliche Zweierbelegung der Zimmer von den Arbeitskräften dankend entgegengenommen. Am wichtigsten sei jedoch, und daran habe sich Renner zufolge in all den Jahren seit Öffnung der Grenzen nichts geändert, dass sich der Arbeitseinsatz am Ende für die Saisonkräfte auch finanziell auszahlen müsse.
Durchweg gute Erfahrungen machte Renner mit Saisonarbeitskräften aus Rumänien. Nachdem er ab dem Jahr 2004 zunehmend schlechte Erfahrungen mit Saisonarbeitskräften aus Polen gemacht hatte, ersetzte er die polnischen Kräfte nach und nach mit Rumänen, die heutzutage rund vier Fünftel der in Spitzenzeiten über 500 Saisonarbeitskräfte stellen. Daran werde sich so schnell auch nichts ändern, auch wenn viele derjenigen, die ihn in den zurückliegenden Boomjahren sitzen gelassen haben, heute wieder anrufen würden, um zu fragen, ob sie nicht doch noch einmal kommen dürften. „Wer mich einmal im Regen stehen lässt, bekommt so schnell keine zweite Chance.“
Bundzwiebeln hat Andreas Renner mit kleinen saisonalen Unterschieden von Anfang März bis Mitte November im Angebot. Anfang April kommen Bundradieschen hinzu, Mitte bis Ende Mai komplettieren Bundmöhren, Staudensellerie und Knollensellerie das Angebot. Zur besseren Arbeitsauslastung und zur Erleichterung der Einhaltung der Fruchtwechselfolge erntet er von Anfang Juli bis Mitte Oktober Zuckermais, ab Mitte Oktober bis Anfang April ist dann auch Porree mit dem auffälligen Logo von Gemüse Renner auf dem Markt. Ein Großteil der Ware wird über den Pfalzmarkt vermarktet.
Von allen Schlägen werden im Abstand von zwei bzw. vier bis fünf Tagen Warenproben gezogen, die Grundlage für die Erstellung der Ernteprognosen sind. Dabei dürfen keine Fehler passieren, wie Renner erklärt. „Bei den Mengen Bundzwiebeln kann mir niemand helfen.“ Aber nicht nur die Ernte erfordert genaue Planung, auch das Thema Rückstände dürfe niemals aus den Augen verloren werden. Dank der umfassenden Dokumentation aller Arbeitsschritte könne Renner zwar auf einen viele Jahre umfassenden Datensatz zurückgreifen, manchmal mache ihm die Natur jedoch einen Strich durch die Rechnung und die Ware kann trotz Einhaltung der Wartezeiten nicht alle Anforderungen erfüllen. „Das sind dann Situationen, denen steht man etwas ratlos gegenüber.“ Für diese Fälle, aber auch um beispielsweise nach Hagelschäden liefern zu können, wird in der Produktionsplanung stets ein Sicherheitspuffer vorgehalten.
Das umsatz- und flächenmäßig stärkste Produkt bei Gemüse Renner ist die Bundzwiebel, in etwas geringerem Umfang werden Zuckermais und Radieschen angebaut. Bundmöhren rangieren auf Platz vier, gefolgt von Staudensellerie, Porree und Knollensellerie. Im Vergleich zur ersten urkundlichen Erwähnung des Betriebes im 17ten Jahrhundert kann der Anbau von Sonderkulturen im Betrieb Gemüse Renner erst auf eine vergleichsweise kurze Geschichte zurückblicken. Es ist schließlich erst 35 Jahre her, dass Andreas Renners Vater Wolfgang gemeinsam mit ebenfalls in Mutterstadt ansässigen Berufskollegen Speisezwiebeln anzubauen begann.
Das Angebot für Bundzwiebeln und -möhren beschränkte sich Ende der Achtziger Jahre allerdings noch auf wenige Wochen im Jahr. Richtig in Fahrt kam das Geschäft mit Bundzwiebeln, –möhren und –radieschen nach der Wende, als auf einen Schlag genügend Arbeitskräfte für die vielen Arbeitsschritte, die bei diesen Kulturen zwangsläufig in Handarbeit ausgeführt werden müssen, verfügbar wurden.
Der Rest habe sich dann so ergeben, erzählt Renner und lässt alles einfach erscheinen: „Wir sind mit dem Markt mitgewachsen.“ Seit der 1994 erfolgten Betriebsaussiedlung auf die Mutterstadt abgewandte Seite der A61 und der 1999 erfolgten Betriebserweiterung muss der Markt für Bundzwiebeln, -möhren und –radieschen demnach jährlich zwischen 10 und 20 % gewachsen sein.
Tim Jacobsen






