Gemeinsam stark
Schweiss Staudenkulturen

Acht gleichmäßig über den gesamten deutschsprachigen Raum verteilte Betriebe haben sich vor einiger Zeit zum Stauden Ring zusammengeschlossen. Ein umfassendes Marketingkonzept für den gärtnerischen Fachhandel sowie eine regionale Belieferung der Kunden sind das Erfolgsrezept dieser Gemeinschaft. Einer der Mitbegründer des Stauden Rings ist der Betrieb Schweiss Staudenkulturen.
„Stauden waren in den 1960er Jahren noch ein absolutes Nischenprodukt“, erinnert sich Walter Schweiss und sah damals die Gelegenheit, sich in dem Bereich selbständig zu machen. 1963 gründete der Rheinländer den Staudenbetrieb in Meckenheim bei Bonn. Ein Ort, der von Baumschulen geprägt war. Da lag es nahe, den Verkauf der Stauden über die ansässigen Baumschulen sowie regionale Gartencenter und Endverkaufsbetriebe zu organisieren.
Die Nachfrage nach den Stauden von Schweiss wuchs und mit ihr der Betrieb. Schnell wurden die Flächen in Meckenheim zu klein, doch eine Ausdehnung war an dem Standort nicht möglich. Somit wurde der Betrieb im Jahre 1970 von Meckenheim in die benachbarte Grafschaft über die Landesgrenze verlegt. „Bölingen war früher sehr abgelegen“, so Walter Schweiss über den neuen rheinland-pfälzischen Standort. „Doch heute spielen Entfernungen keine Rolle mehr.“ Entscheidend war schließlich, dass der neue Standort ausreichend Fläche bot.
Heute hat der Betrieb eine Gesamtgröße von ca. 4 ha. Dazu zählen ein 2 500 m² großes Gewächshaus für die Jungpflanzenanzucht sowie die Überwinterung empfindlicher Kulturen. Auf einer Fläche von ca. 1 ha befinden sich Mutterpflanzen für die vegetative Vermehrung. Schweiss kultiviert heute ca. 1 200 verschiedene Arten und Sorten. Dazu zählen Polsterstauden, Schnittstauden, Gräser, Farne, Küchenkräuter und Wasserpflanzen.
In dem umfangreichen Programm produziert der Betrieb Schweiss jährlich ca. 1,5 Mio. Stauden. Die hierbei anfallende Arbeit wird von durchschnittlich 15 Mitarbeitern bewältigt. Darunter sind ein Techniker, ein Meister, vier Gehilfen, vier Facharbeiter sowie in der Zeit von März bis November sechs Saisonarbeitskräfte. Seit dem Umzug 1970 bildet der Betrieb auch erfolgreich Staudengärtner aus. In der Regel befinden sich drei Auszubildende in dem Betrieb.
Regionale Vermarktung steht nach wie vor im Vordergrund. Die Stauden werden auch heute noch an den gärtnerischen Fachhandel, wie Gartencenter, Baumschulen und Galabaubetriebe verkauft. „Baumärkte beliefern wir gar nicht“, betont Walter Schweiss.
Anfang des Jahres 2009 hat Walter Schweiss den Betrieb an den Sohn Rüdiger Schweiss übergeben.
Stauden Ring
Den deutschsprachigen Raum beliefern, aber dennoch regional vermarkten, war immer ein großes Ziel von Walter Schweiss. Über zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich Stauden war Walter Schweiss auch stets im Austausch mit Kollegen aus anderen Regionen, zu denen ein intensiver Kontakt bestand. Im Sommer 1995 traf sich schließlich Walter Schweiss mit einigen Staudengärtnern aus ganz Deutschland, um über die Zukunftsperspektiven des Staudenmarktes zu diskutieren. In erster Linie sollte eine regionale Belieferung der Kunden garantiert werden, aber gleichzeitig wollte man am deutschen Markt stärker werden. Dies sollte mit gegenseitiger Unterstützung erfolgen. Der Stauden Ring wurde gegründet und hat sich mit heute über 4 000 Fachhandelskunden zu einem der erfolgreichsten Staudenproduzenten im deutschsprachigen Raum entwickelt.
Das Konzept des Stauden Rings ist relativ einfach und führte zum Erfolg: Die Betriebe sind über Deutschland gleichmäßig verteilt und jeder Partner konzentriert sich beim Absatz auf seine jeweilige Region. Die Kunden nehmen diese Zuordnung aufgrund einer schnellen und frachtfreien Anlieferung gern an. Die Stauden Ring-Partner stehen in persönlichem Kontakt zum Kunden. „Dies schafft Vertrauen und ist die Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit, die weit über die reine Kunden-Lieferantenbeziehung hinausgeht“, so Walter Schweiss.
Zugleich profitieren die Kunden und Stauden Ring-Partner gleichermaßen von den Vorteilen eines starken Verbundes. So können größere Stückzahlen oder spezielle Sortenwünsche durch den Pflanzenaustausch im Stauden Ring zeitnah erfüllt werden.
Die Betriebsgrößen der Partnerbetriebe sind recht unterschiedlich: im Stauden Ring ist der kleinere Betrieb mit wenigen Mitarbeitern ebenso gleichberechtigt wie der Großbetrieb mit Produktionszahlen von mehreren Millionen Stauden pro Jahr. Über die Stauden Ring GmbH werden gemeinsam Kosten, wie z.B. Gebühren für Messen, auf die einzelnen Partner nach einem ausgeklügelten Schlüssel umgelegt. Für die Organisation innerhalb der Gruppe und der Außenpräsentation beschäftigt der Stauden Ring eine eigene Mitarbeiterin. Allerdings werden über die gemeinsame GmbH keine Pflanzenumsätze getätigt.
Eins der Einstiegskriterien für die Partnerbetriebe ist das Qualitätszeichen Stauden und die damit verbundene regelmäßige, erfolgreiche Prüfung des Betriebes durch eine unabhängige Kommission. Darüber hinaus gelten für alle Stauden Ring-Partner verbindliche Standards bei den Pflanzenqualitäten und Serviceleistungen. Gemeinsame Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter von der Produktion über die Kundenberatung bis hin zur Arbeitswirtschaft sichern diese Vorgaben ab.
Der Stauden Ring liefert ausschließlich an den gärtnerischen Fachhandel, diesen jedoch in seiner gesamten Bandbreite. Also neben dem Garten- und Landschaftsbau u.a. auch Baumschulen und Einzelhandelgärtnereien. Hierfür wurde ein speziell für den Fachhandel ausgerichtetes Marketingkonzept entwickelt. Neben den ausführlichen und informativen Katalogen der einzelnen Partnerbetriebe bietet die Gruppe mit der Staudenfibel eine bebilderte Übersicht über die wichtigsten 500 Staudensorten. Ergänzend dazu informiert der Staudenplaner als praktisches Nachschlageheft in gegliederter Tabellenform über die Verwendungsmöglichkeiten von Stauden. Weiterhin bietet der Stauden Ring seinen Kunden Verkaufshilfen wie Preistafeln, Präsentationstafeln, Etiketten und Plakate an.
Birgit Scheel







