Freilandgemüsebau zum Staunen
Mählmann Gemüsebau GmbH & Co. KG, Cappeln

Was vor gut 25 Jahren als Nebenerwerbsbetrieb begann, ist heute einer der größten deutschen Gemüsebaubetriebe: die Mählmann Gemüsebau GmbH & Co. KG. Zum Exkursionsprogramm der 44. Herbsttagung der Fachgruppe Gemüsebau, die Ende November in Papenburg stattfand (wir berichteten), gehörte ein Besuch des Unternehmens im niedersächsischen Cappeln. Firmengründer und Eigentümer Wolfgang Mählmann stellte gemeinsam mit einigen seiner Führungskräfte den Betrieb vor.
Das Unternehmen ist im Landkreis Cloppenburg im Oldenburger Münsterland ansässig, wo rund 30 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft inklusive vor- und nachgelagerten Branchen arbeiten. Schon der Großvater des heutigen Betriebsinhabers hatte neben seiner Landwirtschaft mit Tierhaltung auch Gemüseanbau. 1983 begann Wolfgang Mählmann auf 15 ha mit dem Anbau von verschiedenen Kohlarten. Später kamen Brokkoli, Bundzwiebeln und Kopfsalat hinzu, Anfang der 90er Jahre dann der Eissalat, der heute das Hauptprodukt ist.
Seit Ende der 90er Jahre werden auch Romanesco und Steckrüben kultiviert. Im Jahr 2007 wurden erstmals Buschbohnen angebaut, im Jahr 2009 hatte Mählmann damit einen Marktanteil von ca. 40 % an der gesamten deutschen Produktion. Hauptkulturen sind heute Eissalat, Brokkoli, Blumenkohl und Buschbohnen, die gemeinsam 75 % der Fläche beanspruchen. Weitere Kulturen sind Sellerie, Chinakohl und andere Kohlarten. Für die Tiefkühlindustrie werden Spinat und Steckrüben produziert.
Was die Gesamtfläche angeht, so ist von etwa Tausend Hektar die Rede. Davon sind nur 80 ha Eigentum. Als Gemüsebauer ist Mählmann im Landkreis Cloppenburg fast allein, aber die Flächenkonkurrenz mit rund 100 Biogasanlagen ist enorm. Deshalb sind die Pachtpreise gestiegen und es gibt kaum Flächen zu kaufen.
Kultur- und Pflegearbeiten
Die Jungpflanzen kommen zu 100 % von der nur 7 km entfernten Firma Lüske. Dort wurden sie bereits abgehärtet, bevor sie direkt Just-in-Time zur Pflanzung aufs Feld geliefert werden. Von dort wird das Kistenleergut direkt zurück zu Lüske gebracht, so dass keine unnötigen Wege gefahren werden.
Alle Flächen lassen sich beregnen. Dafür werden 130 Brunnen betrieben. Bei Neupacht muss Mählmann selbst für Wasser sorgen, sprich einen Brunnen bohren. Die meisten landwirtschaftlichen Flächen sind gut mit Phosphor versorgt. Deshalb wird kein Volldünger eingesetzt. In der Regel werden Kali und Stickstoff gleichzeitig ausgebracht, Kali im Frontdüngerstreuer und Stickstoff im Heckdüngerstreuer. Der Dünger wird nicht eingelagert, sondern kommt bei Bedarf per Anhänger direkt vom Landhandel zum Betrieb oder zum Feld.
Jede Kultur wird gehackt. Dank Kamerasteuerung kann dabei mit bis zu 8 km/h gefahren werden. Im Sommer werden Bodenbearbeitung, Pflanzungen und Pflanzenschutzmaßnahmen auch nachts durchgeführt.
Ernte und Aufbereitung
Was irgend geht, wird bei der Ernte direkt auf dem Feld gewaschen, verpackt, palettiert und etikettiert. Rund um die Uhr wird die Ware so direkt vom Feld zur 10 km vom Betriebsstandort entfernten Erzeugergenossenschaft ELO gebracht.
Seit 1999 wurde im Unternehmen viel gebaut. Damals wurde die Halle zu klein, nachdem die Discountschiene mit bedient werden sollte. Für das maschinelle Verpacken von Brokkoli, Chinakohl und Mini-Romana stehen heute vier Verpackungslinien bereit.
Neu ist auch eine Verarbeitungslinie, die wahlweise für Grünkohl oder für Buschbohnen gerüstet werden kann. Die Ware wird entrankt, Wind gesichtet, Steine u.ä. aussortiert, gewaschen und auf einem Rüttelsieb getrocknet. Dann durchlaufen die Bohnen die Sortierung. Automatisch abgepackt werden 500 g-Netze oder Flowpacks. Zu guter Letzt werden die Päckchen noch automatisch etikettiert.
Mitarbeiterstrukturen
Wolfgang Mählmann hat sein Unternehmen in einzelne Abteilungen mit flachen Hierarchien aufgeteilt. Der Betrieb läuft auch mal gut ohne ihn, beispielsweise wenn er an der Herbsttagung der Fachgruppe Gemüsebau teilnimmt. Zum sogenannten „Oberen Management“ gehören Bruder Willi Mählmann (Bodenbearbeitung, Ernteorganisation), Dr. Carsten Vorsatz u Jens Schlehahn (Pflanzenschutz, Pflanzenernährung), Hans Lahde (Controlling und Dokumentation Salate, EDV, Bankautomat), Ansgar Lüske (Flächenmanagement, Anbau von Spinat und Buschbohnen), Henning Block (Controlling und Dokumentation Kohlarten, Azubi-Betreuung) sowie Reinhold Hermes (Werkstattleiter) usw.
Von den insgesamt 85 Festangestellten ist etwa die Hälfte polnischer Herkunft. Diese Mitarbeiter sind zum Teil schon seit 20 Jahren im Betrieb und arbeiten als Schlepperfahrer bis hin zum mittleren Management. Von den acht Büromitarbeiterinnen sprechen vier polnisch. Ausgebildet wird in den Berufen Landwirt, Gärtner und Landmaschinenschlosser.
Komfortable Unterkünfte für Saisonarbeitskräfte
Übers Jahr sind rund 3 000 Saisonarbeitskräfte beschäftigt. Zeitgleich sind maximal 800 von ihnen auf dem Hof. Schicke, gut eingerichtete Unterkünfte, die an ein Hotel erinnern, sind vor wenigen Jahren im zweiten Betriebsteil errichtet worden. Die Aufteilung ist wohl durchdacht, die Küchen gut ausgestattet, Gemeinschafts- und Schlafräume komfortabel eingerichtet. Die Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen können, damit sie im nächsten Jahr wieder kommen. Über die Unterkünfte hat Mählmann einen kleinen Film drehen lassen, den er jeder Arbeitskraft als CD mit auf den Heimweg gibt. Damit soll in der Heimat Werbung gemacht werden. Bis zu 120 000 Clicks sind vor Saisonbeginn auf der Homepage des Betriebs zu verzeichnen.
Erntegruppen, die in einer Schicht arbeiten, sind auch in einem Trakt gemeinsam untergebracht. So können die anderen in Ruhe schlafen, wenn nachts Gruppen vom Feld kommen. „Hotelmanager“ Tomasz teilt die Leute auf die 4er-Zimmer auf, wobei Wünsche berücksichtigt werden. Er ist für die Saisonarbeiter der Ansprechpartner und sorgt dafür, dass die Unterkünfte in gutem Zustand bleiben. Seine Frau leitet die Putzkolonnen.
Es herrscht absolutes Alkoholverbot. Geraucht werden darf nur in den Raucherbuden vor den Unterkünften. Rauchmelder sind in allen Räumen installiert. Die Hausordnung auf Polnisch bzw. Rumänisch muss jeder Mitarbeiter unterschreiben. Jede Saisonarbeitskraft erhält eine sogenannte White Card, auf die für die Dauer der Beschäftigung das Zugangsrecht zu Haupteingang und Zimmer programmiert wird. Mit diesen Karten können auch Geldautomat und Lohnzetteldrucker bedient werden.
Hallen, Druckerei, Werkstatt und Geldautomat
Auf dem Hof des Stammbetriebs sind die Verwaltungsgebäude, Aufbereitungshallen, die Werkstatt und einige Saisonunterkünfte. In einer eigenen kleinen Druckerei werden täglich die benötigten Etiketten individuell für jede Bestellung gedruckt. Mit dem Drucken und dem Verteilen der Etiketten auf den Feldern, wo gerade geerntet wird, sind eine Festarbeitskraft und zwei Saisonarbeitskräfte beschäftigt.
In der Saison ist die Werkstatt an sieben Tagen die Woche von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts besetzt. Ein riesiges Ersatzteillager sichert rasches Handeln. 99 % aller Reparaturen des Fuhrparks und der Maschinen können von den betriebseigenen Landmaschinenschlossern erledigt werden.
Seit eineinhalb Jahren steht den Saisonarbeitskräften ein betriebseigener Bankautomat zur Verfügung, an dem sie bis zu 100 € pro Woche ziehen können. Daneben steht ein Drucker für die Lohnabrechnung bereit. Diese Anschaffung hat nach Aussagen von Mählmann für viel Entspannung im Büro gesorgt.
In unmittelbarer Nähe zum Stammbetrieb liegt auf der anderen Straßenseite der zweite Betriebsteil. Hier stehen Lagerhallen für Maschinen und Geräte, Verpackungsmaterial und sonstige Betriebsmittel, die auch den Raum für Pflanzenschutzmittel beherbergen. Die neueren Unterkünfte sind hier.
Vermarktung
Von Anfang an hat Wolfgang Mählmann über die Erzeugergroßmarkt Langförden-Oldenburg eG, kurz ELO, vermarktet. Die nach seinen Aussagen „kleine Genossenschaft“ ist auf bestimmte Produkte spezialisiert. Zu den rund 25 aktiven Mitgliedern zählen wenige Gemüsebaubetriebe, sondern vor allem Beerenobstanbauer. Gemeinsam mit ihren Töchtern, unter anderem der ELO Frost, hat die Genossenschaft rund 100 Mio. € Umsatz.
Geerntet wird nur auf Bestellung. Von Anfang Mai bis Anfang November verlassen täglich 40-50 Lkw den Betrieb. Dann wird an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr in mehreren Schichten geerntet. „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es professionell“, sagt Wolfgang Mählmann. Zweifel kommen da nicht auf.
Sabine Aldenhoff







